Lone Survivor (Oder: Allein auf weiter Flur)

Jahr: 2013
Regie: Peter Berg
Laufzeit: 121 Minuten
Budget: 49 Mio. $
Academy Awards: Bester Ton (nominiert), Bester Tonschnitt (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Afghanistan 2005. Der gleichnamige Krieg “gegen den Terror“ herrscht über das Land. Die USA sind zwischenzeitlich zu einer rechtlich und moralisch fragwürdigen Praxis übergegangen. Spezialeinheiten wie die Navy SEALs werden entsandt, um wichtige Taliban Anführer aufzuspüren und zu töten – ohne jedweden Prozess oder sonstige lästige Formalien. Unter dem Namen „Operation Red Wings“ macht sich ein vierköpfiger Trupp SEALs (Mark Wahlberg, Taylor Kitsch, Emile Hirsch, Ben Foster) auf einen solchen Anführer, Ahmad Shah, zu lokalisieren und zu töten. Doch am Zielort angekommen, stehen die Elitesoldaten vor einem echten Dilemma. Sie werden durch einige Hirten durch Zufall entdeckt, wodurch die Soldaten vor einer heiklen Wahl stehen. Die Hirten freilassen und befürchten, dass diese die Taliban informieren oder die unbeteiligten Zivilisten zu töten, um so der Entdeckung zu entgehen. Schlussendlich wählen die Soldaten die erste Variante und lassen die Hirten frei. Nun kommt es, wie es kommen muss. Tatsächlich werden die Soldaten verraten und alsbald ist eine Hundertschaft Taliban den Männern auf den Fersen. Die Jäger werden zu den Gejagten.

Die Meinung:

Ein Kriegsfilm von Peter Berg? Der Peter Berg, der zuletzt mit „Battleship“ ernsthaft „Schiffe versenken“ als Film umsetzte? Klingt merkwürdig. Doch anstelle eines ziemlichen banalen Spiels, schnappte sich Berg die niedergeschriebene Geschichte von Marcus Luttrell, einem ehemaligen SEAL. Dieser überlebte als einziges Mitglied einer Spezialeinheit einen Einsatz in Afghanistan, bei dem direkt und infolgedessen 19 Soldaten starben. Dieses Mal also kein lockeres Militärgeplänkel gegen Außerirdische, sondern die Umsetzung einer durch und durch ernsten Kriegsbegebenheit. Ob das funktioniert?

Nun, es kommt auf die Sichtweise an. Jedem der „Battleship“ gesehen hat dürfte klar sein, dass Peter Berg in „Lone Survivor“ wohl eher keinen militärkritischen Grundtenor anstimmen würde. Tatsächlich bewegt sich der Film in äußerst grenzwertigem Gebiet, wobei er sich reichlich an fragwürdigen Stilmitteln wie Pathos und Heroisierung bedient. Das mag für den US-amerikanischen Mainstream durchaus tragen, doch dem mitteleuropäischen Zuschauer dürften sich hier und dort die Nackenhaare aufstellen. So ist es dem Film beispielsweise ein besonders Bedürfnis den Tod der Soldaten eine Bedeutungsschwere, ja beinahe deren Berufung zum Tode zuzuschreiben. Sehr, sehr schwierig.

Jetzt könnte man natürlich den Film als ein amerikanisches Werk Militärpropaganda abtun und wutentbrannt ausmachen. Doch nach der ersten eher ruhigen halben Stunde, nimmt „Lone Survivor“ Fahrt auf und präsentiert sich als handwerklich perfekter Actionfilm. Vor allem wird das Spannungslevel auf einem enorm hohen Niveau gehalten, wodurch der Film schlicht fesselt und in diesem Punkt begeistert. Ton und Kamera, vor allem aber ein sehr dynamischer Schnitt, tragen ihr Übriges dazu bei und peitschen durch den Film. Leider wurde ich als Zuschauer aber auch immer wieder aus der Handlung herausgerissen, wenn geradezu unrealistische Verletzungen der Soldaten künstlich Dramatik erzeugen sollte.

Zur Handlung bleibt an dieser Stelle eigentlich gar nicht so wahnsinnig viel zu sagen. Es fällt auch ohne Kenntnis der Buchvorlage oder gar der realen Ereignisse schnell auf, dass sich die Geschichte so nicht abgespielt haben kann. So wurden sicherlich viele Elemente der Geschichte neu gruppiert und zeitlich angepasst. Gerade das Ende wirkt doch eher von einer Gruppe Drehbuchautoren erdacht, als wirklich der Realität entstammend. Wenngleich mich das Ende doch durchaus versöhnlich aus dem Film entließ.

Unterm Strich bleibt also ein auf der handwerklichen Ebene nahezu perfekter Actionfilm. Dieser ist allerdings in eine (konstruierte) Geschichte eingebunden, die es an manchen Stellen tatsächlich schwer macht zuzuschauen. Wem Militärpathos und amerikanischer Kaugummi-Patriotismus generell gar nicht bekommt, sollte tatsächlich „Lone Survivor“ gänzlich meiden. Wer allerdings bereit ist diese Rahmenbedingung zu ertragen, wird mit durchaus packenden 2 Stunden Film belohnt. Ob das Gesamtbild am Ende gefällt, steht natürlich auf einem gänzlich anderen Blatt.

Das Fazit (für Lesefaule):

Moment, ich wisch mal eben die Pfütze an Pathos auf! Dem durchschnittlichen deutschen Zuschauer dürfte Peter Bergs „Lone Survivor“ bis an die Schamgrenze treiben. Zu sehr fokussiert sich der Film auf den inneren Zusammenhalt und die Beziehung unter den vier Seals, spielt mit Militärpathos, Kameradschaft und wilden Facetten eines fundamentalen Ehrenkodex. Obendrein wird der Tod der Soldaten nicht etwa nur als Tragödie porträtiert, sondern als befehlstreue Opferung bis zum bitteren Ende – Pflichterfüllung bis in den Tod, wie es sich gehört für einen SEAL. Doch blendet man dies alles aus, ist „Lone Survivor“ ein durch und durch packender Film, der nicht zuletzt durch seinen realen Bezug fasziniert. Schnitt, Kamera und Ton, gepaart mit einem konstant hohen Spannungslevel überzeugt. So ist „Lone Survivor“ ein Film, den ich eigentlich nicht mögen wollte, dessen filmische Stärken mich am Ende aber doch überzeugten.

Wertung:

6-5

Trailer:

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