Star Trek Into Darkness (Oder: Alles wie immer, doch ganz anders)

Jahr: 2013
Regie: J. J. Abrams
Laufzeit: 133 Minuten
Budget: 185 Mio. $
Academy Awards: Beste visuelle Effekte (Nominierung)

Der Inhalt kurz und knapp:

Space, the final frontier. Nachdem nur äußerst knapp verhindert werden konnte, dass die Erde in ein Schwarzes Loch aufgesaugt wird, steht die USS Enterprise weiterhin unter dem Kommando des vorschriftsaversen James Tiberius Kirk. Eine Eigenschaft, die dem jungen Captain jedoch auf die Füße fällt, als er die wichtigste Regel der Sternenflotte ignoriert – die Nichteinmischung in die Angelegenheiten niedrigentwickelter Völker. Als Reaktion hierauf wird er kurzerhand degradiert und ihm das Kommando über sein Schiff genommen. Eine Entscheidung von kurzer Dauer, da eine neue Bedrohung aufzieht. Die Sternenflotte wird von dem ehemaligen Geheimdienstagenten John Harrison terrorisiert, der unter anderem auch Kirks Mentor und Freund Christopher Pike ermordet. Kirk erhält Kommando und Rang zurück und wird befohlen den flüchtigen Harrison zu töten. Dieser ist allerdings auf dem klingonischen Heimatplaneten untergetaucht, wodurch eine militärische Aktion zu einem Konflikt mit dem kriegerischen Volk führen könnte. Doch wird von der Admiralität sowohl die Exekution Harrisons ohne Prozess gewünscht, als auch ein Krieg mit den Klingonen ohne Bedenken riskiert. Ein merkwürdiges Verhalten und schon kurze Zeit später stellt sich heraus, dass vieles an dieser Mission gänzlich anders ist, als zu Beginn gedacht…

Die Meinung:

Nach dem Reboot des Star Trek-Franchises 2009, erscheint mit „Star Trek Into Darkness“ nun also der zweite Ableger unter der Federführung des umtriebigen J.J. Abrams. Die Reaktionen der Fanbase auf den ersten Ableger mit dem schlichten, aber treffenden Namen „Star Trek“, ließen sich größtenteils wie folgt zusammenfassen: „Spannender und gut gemachter Sci-Fi-Film, der allerdings nichts mehr mit Star Trek zu tun hat.“ Ein Urteil mit dem Abrams sicherlich leben kann, kam „Star Trek“ doch bei einer breiten Zuschauerschaft an und spülte reichlich Dollars in den geldhungrigen Schlund von Paramount. Kann das Sequel nachlegen und das Niveau, was Darstellung und Erfolg anbelangt, aufrechterhalten oder erleidet die Enterprise in diesem Anlauf Schiffsbruch?

Kurzum: „Star Trek Into Darkness“ ist wieder ein absoluter Volltreffer geworden, für das… ja, für das, was der Film sein möchte. Die Handlung ist episch, der Cast spielt erneut sein Talent aus, der Humor ist angenehm und für den Fan sind diverse kleine Bonbons versteckt. Seziert man allerdings das Gesamtwerk in seine Einzelteile lassen sich kleinere, aber verzeihbare Schnitzer finden. Wie auch in seinem Vorgänger scheint die Handlung erneut nicht gänzlich durchdacht, da hier und dort das ein oder andere Plothole lauert und eine konsistente Gesamtgeschichte torpediert. Aus Gründen des bundesdeutschen Spoilerschutzgesetztes (SsG) sei hier kein Beispiel gegeben, doch sorgt die ein oder andere Handlungsentwicklung für heftiges Stirnrunzeln. Hingegen offenbart sich wieder einmal Abrams Leistung beim Casting der Enterprise-Crew. Die Schauspieler füllen die ihnen zugewiesen Vorbilder optimal aus und bringen Kirk & Co. ins 21. (reale) Jahrhundert, ohne allzu viel von der Vorlage auf dem Weg zu verlieren. Schade ist jedoch, dass die Charakterentwicklung, wie in „Star Trek“, im Wesentlichen bei Kirk und seinem spitzohrigen Ersten Offizier Spock stattfindet. Zwar verständlich, können nicht über ein halbes Dutzend Charaktere detailliert gezeichnet werden, will der Film unter vier Stunden Laufzeit bleiben. Dennoch wäre der Fokus auf ein weiteres Crewmitglied angenehm gewesen.

Wieder einmal besonders herausstechend ist der perfekt platzierte Humor in „Star Trek Into Darkness“. Das Drehbuch spielt grandios mit den Charakteren und deren unterschiedlichen Marotten, nimmt den Humor in ernsten Szenen passend aus dem Spiel und setzt dann in Brückensequenzen wieder ein. Der ein oder andere Witz mag vielleicht etwas zotig daherkommen, aber hält Abrams hier zur Charakterinteraktion durchgängig die Waage. Ein weiterer Pluspunkt ist für mein Empfinden die größere Annäherung des Themas an die alteingesessenen Fans. Viele kleine versteckte oder auch größere Anspielungen blicken auf die vergangenen Jahrzehnte Star Trek zurück und bieten dem Nerd viele kleine „Ah, cool!“-Momente. Dazu gehören einige Nebencharaktere, die aus der TOS-Ära bekannt sind, aber auch kleine Anspielungen auf zurückliegende Geschichten aus den zahllosen Star Trek-Episoden. Dennoch verpackt Abrams diese Memes so schön, dass dem Zuschauer ohne größere Vorkenntnis nichts Entscheidendes an dem Film verlorengeht.

Wenn man „Star Trek Into Darkness“ etwas vorwerfen kann, dann sicherlich die Abkehr von dem klassischen Gedanken. In den beiden bisher erschienen Ablegern des Franchise wird gekämpft, geblutet, gestorben, Menschen ins All gesogen und allerlei düstere Dinge mehr (was der Titel allerdings auch schon suggeriert). Planeten gehen unter, moralische Fragen müssen gestellt und Opfer erbracht werden. Insofern bieten die Star Trek-Filme von Abrams auf inhaltlicher Ebene nichts originelles, eigenständiges mehr, nichts womit der Zuschauer von früher noch Star Trek antizipieren würde. Immerhin skizzierte Roddenberry einst eine Zukunft, in der die Menschheit ihr Schlechtestes abgelegt hat und ein kollektiver Drang entstand die eigene Zivilisation zu verbessern. Vielleicht eine naive Sicht auf die Zukunft, aber eben auch der Kern von Star Trek. Das Konstrukt der beiden bisher erschienen Filme des Reboots tragen nach Außen vielleicht das Star Trek-Banner weiter, hinter der Fassade wirken jedoch schon gänzlich neue Film-Mechanismen. Das Ganze lässt sich sicherlich beklagen und den ein oder anderen Fan mit erhobener Faust um den Block rennen. Doch vielleicht sind solche neuen Impulse notwendig, vielleicht mag der Zuschauer diese Naivität nicht mehr sehen und vielleicht bedient Abrams genau diese Anforderungen. Ich selbst bin nach intensivem Überlegen zu keinerlei Schluss gekommen, außer das mir die beiden Filme bisher gefallen haben. Vielleicht ein Indiz, dass Abrams doch alles richtig gemacht hat.

An dieser Stelle möchte ich kurz noch einige Worte zur 3D-Fassung von „Star Trek Into Darkness“ verlieren. Ich persönlich bin absolut kein Freund von 3D im Kino. Wirklich wahrnehmen tue ich den Tiefeneffekt lediglich die ersten fünf bis zehn Minuten eines Films. Danach flacht der Effekt zunehmend ab und macht sich nur noch durch Szenen bemerkbar, in dem mir der Regisseur freundlicherweise Teile des Szenenbildes mitten ins Gesicht wirft. Ansonsten wirkt sich 3D hauptsächlich in einem dunkleren Bild und einer strapazierten Geldbörse aus. Nun, und was soll ich sagen? Bei „Star Trek Into Darkness“ sieht es leider nicht anders aus. Dies könnte vor allem daran liegen, dass der Film in regulären zwei Dimensionen gedreht und erst in der Postproduktion digital nachbearbeitet wurde. Der Effekt ist marginal, ist in keiner Weise innovativ eingesetzt und macht sich im Laufe des Films bei schnellen Schnitten sogar negativ bemerkbar. Wer also die Wahlmöglichkeit besitzt sollte die klassische 2D-Variante besuchen, erhält mit Sicherheit ein angenehmeres Bild und spart obendrein noch den einen, oder eher auch anderen, Euronen. Zusammenfassend also wieder einmal keine Werbung für 3D.

Das Fazit (für Lesefaule):

„Star Trek Into Darkness“ ist ein Sci-Fi-Spektakel erster Güte. Raumschlachten, fremde Planeten und eine Geschichte, die trotz Lücken, mit interessanten Fragen und Wendungen aufwarten kann. Für den Star Trek-Nerd wird das Prädikat „Spannender und gut gemachter Sci-Fi-Film, der allerdings nichts mehr mit Star Trek zu tun hat“ vielleicht weiterhin Gültigkeit besitzen, doch bewertet man die Leistung von J.J. Abrams ganz neutral bleibt nur ein Fazit – ein toller Film.

Wertung:

9 Langstreckentorpedos – wobei einer mit 3D-Triebwerksschaden auf der Hälfte ausfällt – eine 8,5.

8-5
Trailer:

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