The Cabin In The Woods (Oder: Fleischfressende Wassermänner)

14Jahr: 2012
Regie: Drew Goddard
Laufzeit: 95 Minuten
Budget: 30 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Fünf Kommilitonen machen sich auf zu einem Wochenende in einer abgelegenen Jagdhütte. Mit einem Reisemobil. Halt an einer ziemlich verlassenen Tanke, inklusive einem verwirrten Tankwart. Im Keller der Hütte allerhand gruseliger Kram und bald schon kommen halb verweste Hillbillies aus ihren Gräbern gestiegen… *gähn*
Doch Moment! In einer unterirdischen Anlage sitzen derweil Techniker in Hemd und Kragen und sorgen mit kleinen Manipulationen und Tricks dafür, dass sich alles in Richtung des erwarteten Zieles bewegt – der Tod der fünf. Was ist denn hier los, fragen sich nun also nicht nur die Todgeweihten, sondern auch der Zuschauer. Doch während letztere aus der beginnenden Trance erwachen, da nicht alles nach Schema 0815 abläuft, geht die tödliche Hatz auf erstere gerade erst los.

Die Meinung:

„Fünf Mitzwanziger auf einer Tour zu einer abgelegenen Hütte.“ Wer diese Zusammenfassung als Klappentext einer DVD in der Grabbelbox im Media Markt ließt, wird es sich dreimal überlegen, ob er die 4,99 bereit ist auszugeben. Zu oft wurde dieses Thema verwurstet, so dass es mittlerweile jedem aus den Ohren heraushängen müsste. Doch halt! In „The Cabin In The Woods“ wird schnell klar, dass es diesmal doch etwas anders kommt. Prompt macht der Film eine zweite Ebene auf und zieht den Zuschauer vor dem Bildschirm, direkt vor einen zweiten. Dazu in Gesellschaft von makabreren Technikern die alles Letale arrangieren. Was soll das also?

Nun, um es knapp auszudrücken – „The Cabin In The Woods“ ist eine Satire auf den klassischen Slasher-Film. Eine äußerst fein gezeichnete obendrein. Interessant ist vor allem, dass die untere Handlungsebene – nämlich die des Überlebenskampfes der Studenten – in den ersten zwei Dritteln tatsächlich als Slasher-Film funktioniert und nicht für die Satire geopfert wurde. Ein Gegenbeispiel stellt hier z.B. der ebenfalls sehr unterhaltsame „Tucker & Dale vs Evil“ von 2010 dar. In diesem Fall wird schnell klar, dass Tucker und Dale keine Bedrohung sind und die Satire hier vollkommen auf dem Standbein des großen Missverständnisses steht. „The Cabin In The Woods“ hingegen ist tatsächlich ein Slasher-Film, bei dem jedoch geschickt eine zweite Satire-Ebene eingezogen wurde. In dieser zweiten Ebene wird nun mit den zahlreichen Klischee und Wirkmechanismen des Genres gespielt und dabei stets ein sehr subtiler Humor gefahren. Hier wird dann aber auch alles angelandet, was das Genre zu bieten hat: Missglückte Fluchtszenen. Nicht funktionierende Handys. Der Folterkeller. Der gemeine Hillbilly an sich. Und natürlich die übliche Sex-Szene, bei der aber ja nicht zu viel zu sehen sein darf!

Interessant ist bei „The Cabin In The Woods“ vor allem die Darstellung der Techniker in der unterirdischen Kommandozentrale. Weiße Hemden, Krawatte, typische 9-to-5-Jobs. Durch Einleiten von Gas werden die Studenten manipuliert, im passenden Moment Fluchtstraßen versperrt. Für mich drängte sich hier eine klare Analogie zu der amerikanischen Filmindustrie auf, die ohne Skrupel auf Altbekanntes setzt und ihre Drehbuchautoren und Regisseure gerne dieselben durchgekauten Themen wieder und wieder aufköcheln lässt, bis die Geldkuh bis auf den letzten Tropfen ausgemolken worden ist. Ein bitterböser Blick, sicherlich aber kein unzutreffender.

Im letzten Drittel verliert der Film dann doch etwas an Schwung, wobei das Ende wieder einen ganz großen Moment darstellt und dem Zuschauer förmlich ins Gesicht schreit: „Nein, hier gibt es keine Fortsetzung! Der Film ist vorbei, basta!“ Sehr angenehm, Daumen hoch! Goddard und Whedon haben eine tolle Satire auf die Leinwand gebracht, die in dieser Form längst überfällig war. Ich würde jetzt sagen, dass ich gerne mehr davon sehen würde. Doch hoffe ich, bin mir allerdings auch sehr sicher, dass nichts nachfolgt. Oder vielleicht doch? Eigentlich wäre es fast konsequent, hat doch jeder einigermaßen erfolgreiche Slasher eine Fortsetzung – wer weiß.

Das Fazit (für Lesefaule):

Drew Goddard und Josh Whedon – Chapeau! Für angeblich nur drei Tage Arbeit am Script, haben die beiden Herren eine höchst unterhaltsame Satire über die Monotonie in Slasher-Filmen geschrieben. Das Großartige an „The Cabin In The Woods“ ist hierbei der subtile Humor, das Spielen mit einem ganzen Sack an Klischees – eine Eigenschaft, die der Film bis zum letzten Drittel knallhart durchhält. Hierdurch unterhält Goddard und Whedons Werk durch seine fein gezeichnete Satire, gleichzeitig funktioniert der Film aber nachwievor als Ableger des eigentlichen Genres und verfällt somit nicht zum reinen Zweckmittel. Der wohl größte Wurf der beiden Autoren – mir hat es sehr gut gefallen. Zum Schluss verliert sich der Film zwar ein wenig in seiner eigenen Logik – vielleicht war aber auch genau dies gewollt und setzt der Genre-Satire ein abschließendes Krönchen auf.

Wertung:

8(0) Klischees des Horrorfilms glasklar erlegt!

8-0

Trailer:

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